Impuls zum 3. Fastensonntag

(Ex 17,3-7 / Joh 4,5-42)

„Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ (Ex 17,7) Diese Frage wird sich in den nächsten Tagen und Wochen auch bei uns der eine oder die andere stellen. In der Westschweiz sind bereits heute und bis Ende April alle Gottesdienste verboten und auch bei uns werden die Möglichkeiten zum Besuch einer Eucharistiefeier immer rarer. Und nachdem wir Basler ohne Fasnacht auskommen mussten, müssen wir Christen uns langsam aber sicher auf Ostern ohne Gottesdienste einstellen. Was bedeutet das für unseren Glauben, wenn das gemeinsame Feiern der Eucharistie wegfällt, die doch für viele noch das Zentrum der persönlichen Glaubenspraxis ist? Ist Gott dann tatsächlich noch in unserer Mitte?

In diese Situation hinein öffnet uns gerade das Evangelium der Frau am Jakobsbrunnen eine tröstliche Perspektive. Die Samariterin kennt die Erfahrung, alleine zu sein. Geprägt von ihrem Lebensschicksal hat sie sich eine Art Selbstquarantäne auferlegt und geht nur noch dann zum Brunnen, um Wasser zu holen, wenn sie davon ausgehen kann, niemanden anzutreffen: Zur sechsten Stunde, am Mittag, wenn alle anderen zuhause im Schatten sitzen. Doch gerade an dem Ort, wo sie für ihren täglichen Durst Wasser holen muss, macht sie eine unerwartete Begegnung, die einen weit tieferen Durst in ihr weckt und stillt. Sie begegnet dem Messias, Christus, dem Gesalbten, von dem sie glaubt, dass er der Welt alles vekünden wird. Doch in diesem Moment am Brunnen, ist dieser Messias nur für sie da. Er spricht mit ihr entgegen allen Regeln seiner Zeit. Er erbittet Wasser von ihr und verspricht ihr lebendiges Wasser. Und all dies obwohl er weiss, wer sie ist und was für ein leidvolles Schicksal sie zu tragen hat. Er schenkt der Frau die ebenso intime wie befreiende Erfahrung, in ihrer Wahrheit gekannt und anerkannt zu sein. Es ist die Erfahrung, die Papst Franziskus meint, wenn er von sich sagt, als Sünder von Gott angeschaut worden zu sein.

Die Samariterin macht diese fundamentale Glaubenserfahrung nicht an einem heiligen Ort, auf einem bestimmten Berg oder im Tempel in Jerusalem. Sie macht sie mitten in einer notwendigen Verrichtung ihres Alltag: Beim Wasserholen am Brunnen. Und so sind auch wir in den nächsten Wochen eingeladen, unsere Offenheit für die Begegnung mit Gott in unserem Alltag zu schärfen. „Gott suchen und finden in allen Dingen“ ist eines der Ideale der Spiritualität des Heiligen Ignatius von Loyola.

Bitten wir in diesen Tagen um die Gnade, fähig zu werden, unabhängig von Orten und liturgischen Feiern Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten und uns in allen Tätigkeiten und Begegnungen unseres Alltag von ihm finden und ansprechen zu lassen: „Gib mir zu trinken! … Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

Text von Alfred Delp SJ
Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt uns dies gleichsam entgegen. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen. Wir erleben sie nicht durch bis zu dem Punkt, an dem sie aus Gott hervorströmen. Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
und fragt und will die anbetende, liebende Antwort.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: