Impuls zu den Emmaus-Jüngern

(Lk 24,1-35)

„Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete?“ (Lk 24,32). In dieser Frage drückt sich vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus, welche die beiden Emmaus-Jünger durch ihre Begegnung mit dem Auferstandenen gewonnen haben. Natürlich ist da auch die Erfahrung des überraschenden Erkennens im Brotbrechen, dem dramatischen Höhepunkt dieser Erzählung. Aber bevor die beiden wissen, wie ihnen geschieht, ist Jesus auch schon wieder verschwunden. Was bleibt ist das Staunen und eine Erinnerung, die einen Schlüssel zum zukünftigen Erkennen des Auferstandenen sein kann, auch für uns: Das brennende Herz.

Wie Maria Magdalena vor dem leeren Grab sind auch die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus völlig von ihren jüngsten Erfahrungen absorbiert. Trauer, Enttäuschung und Verwirrung machen sie blind für alles um sie herum. Doch plötzlich ist da ein Fremder, der ihnen eine Frage stellt. Und er hört ihnen geduldig zu, als sie ausführlich den Grund ihrer Niedergeschlagenheit in Worte fassen: „Wir hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde“ (Lk 24,21). Die Enttäuschung ihrer Hoffnungen und Erwartungen ist so gross, dass sie nicht fähig sind, mit anderen Augen auf das Erlebte zu schauen.

Doch dann beginnt der Fremde, ihren Blick zu weiten. Ausgehend von den heiligen Schriften, von Mose und den Propheten deutet er die Ereignisse und die Erlebnisse der beiden Jünger in einem völlig anderen Licht. Plötzlich fügt sich das scheinbar Zusammenhanglose in ein Bild ein. Und plötzlich bekommt das scheinbar Sinnlose eine Bedeutung. Und auch wenn die Jünger noch nicht ganz begreifen, was sie da hören, ist die Hoffnung zurück und die Neugier nach mehr geweckt: „Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend“ (Lk 24,29). Doch erst als ihr Begleiter das Brot bricht, wird ihnen auch bewusst, was ihre brennenden Herzen schon lange gespürt haben.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen verändert den Blick auf die Wirklichkeit. Die Erfahrung von Ostern lässt die Dinge in einem neuen Licht erscheinen. Was für die einen Skandal und Torheit ist, wird für die anderen zum Zeichen der Hoffnung und Erlösung. Doch dieser Perspektivenwechsel ist nicht zuerst eine Frage des Intellektes und der Einsicht. Das, was die Emmaus-Jünger bei ihrem Rückblick auf den Tag spontan als wichtigstes Kriterium zurückbehalten, ist nicht die faszinierende Kohärenz der biblischen Deutungen durch Jesus, sondern das Brennen ihrer Herzen.

In der ignatianischen Spiritualität sind wir eingeladen, immer wieder innezuhalten und zurückzuschauen auf das was war. Mit Hilfe des Heiligen Geistes versuchen wir, die verschiedenen Ereignisse und die gemachten Erfahrungen im Licht von Ostern zu sehen und zu deuten. „Gott in allem suchen und finden“ lautet auch einer der Grundsätze des Ignatius von Loyola. Das heisst nicht, dass Gott in allem ist, sondern dass alles für uns zum Ort der Begegnung mit Gott werden kann. Und da wahre Begegnung nicht nur den Kopf sondern immer auch die ganze Person berührt, kann die Erfahrung der Emmaus-Jünger auch uns dabei helfen, die Gegenwart des Auferstandenen in unserem Alltag zu suchen und zu erkennen:
Wann hat mein Herz gebrannt?    

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