Impuls zu Hoffnung, Rede und Antwort

6. Sonntag der Osterzeit (1 Petr 3,15-18)

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Und dies nicht irgendwie sondern auf bescheidene und ehrfürchtige Weise. Für Sätze wie diesen investieren Unternehmen heute viel Geld und Zeit in Leitbildprozesse. Doch jedes Leitbild ist nur so gut wie seine konkrete Umsetzung. Wo würde das Christentum gerade in unserer Zeit stehen, wenn diese Motive aus dem ersten Petrusbrief zuoberst auf unserer täglichen Agenda ständen: Hoffnung – Rede und Antwort stehen – Bescheidenheit und Ehrfurcht?

Der Autor des Briefes setzt voraus, dass wir von einer Hoffnung erfüllt sind. Hoffnung gehört zusammen mit Glaube und Liebe zu den Grunddimensionen des christlichen Lebens. Doch was heisst es, angesichts der Realität der Welt zu hoffen? Ist unsere Hoffnung mehr als eine Vertröstung auf ein ewiges Leben in Momenten irdischer Trost- und Perspektivenlosigkeit? Oder wie müsste Hoffnung aussehen, damit sie für andere sichtbar und im guten Sinne frag-würdig wird? Denn einer Frage würdig wird Hoffnung da, wo sie auffällt, wo sie einen Unterschied macht und zum Staunen anregt: Woher kommt diese innere Freude und Gelassenheit, woher diese Geduld und Treue in Beziehungen, diese Liebe und Fähigkeit zur Versöhnung? Woher kommt diese Bejahung des Lebens und dieses Engagement für eine Welt, die doch so ohnmächtig ihrem unweigerlichen Untergang entgegenzugehen scheint?

Nur wo Hoffnung sichtbar ist, wird sie auch herausgefordert, Rechenschaft zu geben und Rede und Antwort zu stehen. Doch sind wir dazu auch in der Lage? Haben wir mehr zu sagen als ein paar Sätze aus unserem Religionsunterricht: Dass Jesus uns liebt, dass er am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist und dass wir darum ewiges Leben haben? Sind wir auch fähig zu sagen, was diese Sätze bedeuten und was sie für uns persönlich bedeuten? Und wie reagieren wir, wenn man uns diese Sätze nicht abnimmt, wenn man sie in Frage stellt und mit anderen Sichtweisen konfrontiert? Die Fähigkeit, über Dinge zu sprechen und sich auszusprechen, gehört zu dem, was den Menschen als Beziehungswesen ausmacht. Und gerade bei der Frage des Glaubens geht es nicht um das individuelle Seelenheil sondern immer um den Menschen als Teil einer Gemeinschaft. Darum sind wir eingeladen, zu lernen und zu üben, vor allem auch zu dem Thema Rede und Antwort zu stehen, über das wir alle nur hilflos stottern können und doch nicht schweigen dürfen (Karl Rahner SJ).

Gerade weil aber all unser Reden über Gott, egal wie theologisch und rhetorisch begabt wir auch sein mögen, letztlich immer irgendwie ein menschliches Stottern bleibt, ist die angemessene Haltung dabei Bescheidenheit und Ehrfurcht. Die Hoffnung, über die wir Rechenschaft ablegen sollen, hat ihren Ursprung nicht in uns. Sie ist nicht die Frucht unseres Willens und unserer Leistung. Wir wissen zu gut, wie fragil, angefochten, ja gar gänzlich ausgelöscht sie in manchen Momenten unseres Lebens erscheint. Unsere Hoffnung lebt und nährt sich immer neu von der Beziehung zu dem, der uns seinen Beistand gegeben hat, den Geist der Wahrheit, der für immer bei uns bleibt (Joh 14,16-17). Darum „heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!“ (1 Petr 3,15), damit all unsere Hoffnung und unser Reden und Antworten stets bei ihm seinen Ursprung nehme und durch ihn vollendet werde.     

„Ich finde das Leben schön und ich fühle mich frei. In mir entfaltet sich der Himmel so weit wie das Firmament. Ich glaube an Gott und ich glaube an den Menschen, ich wage es zu sagen ohne falsche Scham. Das Leben ist schwer, aber das ist nicht schlimm (…) Ich bin eine glückliche Frau und ich singe das Lob dieses Lebens, ja, Sie haben richtig gelesen, im Jahr der Gnade 1942, das xte Jahr des Krieges.“
Etty Hillesum (Tagebuch, 20. Juni 1942)

2 Kommentare zu „Impuls zu Hoffnung, Rede und Antwort

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