Verherrlichung? Wer, wie, was?

7. Sonntag der Osterzeit (Joh 17,1-11)

„Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“ (Joh 17,1) Nicht weniger als fünf Mal verwendet Jesus in seinem Abschiedsgebet das Wort „verherrlichen“. Doch was meint er damit, wenn er von der Vollendung seines Auftrages spricht, von der Stunde, die gekommen sei? Was hat sein elender Tod am Kreuz mit Verherrlichung zu tun?

Offenbar kommen wir hier mit unseren spontanen Vorstellungen von weltlicher und göttlicher Herrlichkeit nicht weiter. Denn nach menschlichem Ermessen wird hier erst einmal niemand verherrlicht. Ganz im Gegenteil. Jesus wir geschlagen und verhöhnt und sein Gott verspottet als einer, der ihm nicht helfen kann oder nicht helfen will. Nun kann man sich aus der Affäre ziehen, indem man sagt, dass die Verherrlichung danach in der Auferstehung geschehe: Im Sieg Jesu über den Tod und in der Offenbarung von Gottes Macht über die Gewalten der Erde. Dabei übersieht man aber, dass Jesus im Johannesevangelium sein „Es ist vollbracht“ nicht bei der Auferstehung sondern im Moment des Sterbens am Kreuz spricht. Also muss die Verherrlichung von dort her ihre Bedeutung bekommen.

Die Lösung des Problems liegt wie so oft im Evangelium in einer Umkehr der Perspektive. Wir haben spontan die Tendenz, den leidenden Jesus in der Passion als ohnmächtiges, wehrloses und passiv erduldendes Opfer zu sehen, in Analogie zum ohnmächtigen Leiden, das wir von so vielen Menschen oder gar aus eigener Erfahrung kennen. Und die Vorstellung, dass auch Jesus auf diese Weise solidarisch gelitten habe, mag im Blick auf die verheissene Auferstehung einen gewissen Trost zu spenden. Doch wenn wir das Evangelium ernst nehmen, war Jesus in der Passion nicht der passiv leidende sondern der aktiv sich hingebende. Das, was für uns aussieht wie passive Ohnmacht, ist die äusserste Offenbarung der aktiven Liebe Gottes, der selbst die Gewalt der Menschen freiwillig erleiden mag, weil er uns leiden mag.

Was also am Kreuz verherrlicht wurde, war die Kraft einer Liebe, die sich bis in den Tod hinein von nichts und niemandem hat vom Lieben abbringen lassen. Durch diese Liebe, die Gott ist, wurde Jesus verherrlicht, indem sie ihn befähigt hat, bis zum Schluss der Versuchung durch Angst, Gewalt und Tod standzuhalten.

Doch haben wir das wirklich verstanden und angenommen? Haben wir wahrhaftig erkannt und glauben wir, dass Jesus vom Vater ausgegangen ist und zu uns gesandt worden ist, um uns diese Herrlichkeit von Gottes Liebe zu offenbaren? (Joh 17,8) Und sind wir fähig, diese Herrlichkeit nicht erst im glorreich Auferstandenen zu sehen, sondern vor allem in dem, der sich den Ausgestossenen und Sündern zuwendet, der sich „seine Hände schmutzig macht“ an der Unreinheit der Welt und der sich auch heute noch aus Liebe von unserer Ohnmacht und Gewalt verspotten und kreuzigen lässt?

Worin besteht die Herrlichkeit Gottes, die wir suchen und die wir anbeten und verehren wollen? Finden wir sie in den feierlichen Liturgien und in der strahlenden Monstranz der eucharistischen Anbetung? Oder sind wir auch fähig, sie mitten im Leiden der Welt zu erkennen, da wo es weh tut und hoffnungslos scheint, und wo Menschen sich trotzdem aus Liebe engagieren und hingeben? Und was tragen wir dazu bei, dass Jesus auch heute noch sagen kann: „In ihnen bin ich verherrlicht“? (Joh 1,10)

„Und dennoch komme ich immer wieder zu demselben Schluss: Das Leben ist schön. Und ich glaube an Gott. Und ich will mittendrin in alldem sein, was die Menschen „Greueltaten“ nennen und dann noch sagen: Das Leben ist schön.“
Etty Hillesum

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