Vom Heiligen Geist und anderen Geistern

Pfingsten (Apg 2,1-11)

Der Heilige Geist ist wohl die Dimension an Gott, die man am schwierigsten erklären kann. Glaubt man, ihn begriffen zu haben, ist er einem bereits durch die Finger entglitten. Doch gerade darum scheint Gott für viele Menschen überhaupt nur als Geist einigermassen vorstellbar und glaubbar. Das Bild des allmächtigen und allwissenden Vaters wirkt oft eher bedrohlich als tröstlich. Und Jesus Christus ist selbst für viele Christen nicht mehr als ein menschliches Vorbild. Der Geist aber lässt sich gut in Verbindung bringen mit modernen Vorstellungen von physikalischen oder esoterischen Energiefeldern, aus denen alles hervorgeht und durch die alles miteinander verbunden ist. Aber reicht dieser Gedanke einer alldurchdringenden Energie wirklich, um unsere Sehnsucht zu stillen? Und kann er überhaupt die Existenz von so etwas wie Sehnsucht und Liebe erklären?

Der Gedanke allein, irgendwie passiv mit allem verbunden zu sein, schenkt wenig Trost. Wir erleben in uns eine Kraft, die nach mehr strebt. Wir suchen aktiv nach der Begegnung mit anderen und nach der Erfahrung von authentischer Beziehung. Es gibt da eine Energie, die den Suchenden mit der Gesuchten und die Liebende mit dem Geliebten verbindet. Es ist die gleiche Energie, die Gott nicht nur veranlasst hat, uns Menschen zu schaffen, sondern immer wieder die Beziehung mit uns zu suchen und sich uns zu offenbaren. Und diese Sehnsucht nach Beziehung, die Dynamik der Liebe, die in Gott ihren Ursprung hat, nenne ich Heiliger Geist.

In Jesus Christus hat Gottes Sehnsucht nach uns ein Gesicht bekommen. Und seit Pfingsten ist es der Heilige Geist, durch den uns Gottes Liebe berührt und der uns gleichzeitig befähigt und anfeuert, selber aufzustehen und auf andere zuzugehen. Es sind die Flammen des Geistes, welche Grenzen überwinden, Menschen miteinander sprechen lassen und immer wieder neu Beziehungen in Liebe und Respekt ermöglichen (Apg 2,3-6). Und plötzlich entstehen neue Perspektiven und Alternativen, die man nie für möglich gehalten hätte.  

Doch wie können wir sicher sein, dass alles, was da entstehen will, wirklich von Gottes Geist bewegt ist? Unsere Erfahrung zeigt oft schmerzlich, dass nicht jeder Impuls, der uns spontan antreibt und begeistert auch wirklich zum Guten führt. Hier gilt es, die Geister zu unterscheiden, wie es Ignatius von Loyola (1491-1556) in seinen Geistlichen Übungen (Exerzitien) nennt. Dabei können zwei grundsätzliche Fragen helfen:

Aus was für einer Stimmung heraus entsteht mein Impuls? Befinde ich mich in einer offenen, positiven Grundstimmung, oder hat er seinen Ursprung in einer missmutigen Trostlosigkeit? Im zweiten Fall ist immer Vorsicht geboten, denn wir sind nie so anfällig für Versuchungen böser Geister, wie wenn wir in schlechter Stimmung sind und uns bewusst oder unbewusst nach Zerstreuung oder Befriedigung sehnen.

Die zweite Frage ist die nach den Früchten. Der Heilige Geist ist wie der Wind nur da sichtbar, wo er etwas bewegt und Früchte hervorbringt. Darum ist es wichtig, sich offen und ehrlich zu fragen, was ein Impuls tatsächlich bewirkt und wohin er einem erfahrungsgemäss führen wird, wenn man sich ihm überlässt. Die wichtigsten Hinweise für eine Bewegung des guten Geistes sind dabei das Wachsen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber auch die zahlreichen Früchte, die in der wunderbaren Pfingstsequenz besungen werden.

Für diese Unterscheidung der Geister brauchen wir aber gerade besonders viel Heiligen Geist: Wir brauchen ihn als Antrieb, um überhaupt zu suchen und zu fragen. Wir brauchen sein Licht, um zu unterscheiden und zu erkennen. Und wir brauchen seine Kraft, um auch wirklich das zu wählen und zu tun, was wir als gut und fruchtbar erkannt haben. Und schliesslich brauchen wir den Geist der Hoffnung, der Geduld und des Vertrauens, um das, was wir gewählt haben, auch durchzutragen gegen die Widerstände der Welt. Eigentlich brauchen wir so ziemlich für alles SEINEN Geist. Und darum ist Pfingsten auch das wichtigste Fest im Blick auf unsere Sendung, unsere Verantwortung und unser Engagement in der Welt und für die Welt von morgen.

Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Pfingstsequenz (veni sancte spiritus, Text um 1200)

2 Kommentare zu „Vom Heiligen Geist und anderen Geistern

  1. Ja, auch der Heilige Geist hat Sehnsucht nach Beziehung! In diesen Tagen empfinde ich einen Schmerz darüber, wo er nur als Atem, Wind oder Kraft beschrieben wird.
    Erfüllte Pfingsten für dich – möge etwas Neues in unseren Herzen erweckt werden!

    Gefällt 1 Person

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