Weihnachten – Licht in kalten Ställen

In der ersten Messe, als ich mich vor der Kommunion kalt fühlte und betrübt war,
dass meine Wohnung nicht besser bereitet sei,
da überkam mich ein recht lebendiger Geist, in dem ich mit innerer und inniger Andacht,
die mich bis zu den Tränen rührte, folgende Antwort vernahm:
„Das bedeutet, dass Christus in einen Stall kommen will.
Wenn du nämlich schon glühend wärest,
fändest Du jetzt die Menschheit deines Herrn nicht;
denn du sähest geistlicherweise viel weniger einem Stall ähnlich.“

Peter Faber SJ, Memoriale, 25. Dezember 1542

Unsere Häuser und Städte sind trotz aller widrigen Umstände auch in diesem Jahr wieder geschmückt mit hellen Lichtern und in unseren geheizten Stuben sind die Krippen aufgestellt. Weihnachten steht vor der Tür und viele haben sich schon seit Wochen auf diesen Moment gefreut und vorbereitet. Doch wenn dann alles bereit ist, wenn der Vorweihnachtsstress vorbei ist, das Festessen eingekauft und die Geschenke verpackt sind, dann fühlt manch einer sich vielleicht wie der Jesuit Peter Faber (1506-1546) beim Feiern der ersten Weihnachtsmesse: irgendwie kalt und betrübt, innerlich leer und kaum eingestellt auf den, der zu uns kommen möchte. Kurz, eben alles andere als weihnächtlich.

Dieses Gefühl mag in diesem Jahr noch dadurch verstärkt werden, dass vieles einfach nicht so ist, wie man es sich an Weihnachten gewohnt ist. Viele Rituale, die es uns in normalen Jahren erlauben, wenigstens für kurze Zeit aus den nicht immer schönen Realitäten unseres Alltags in die vertrauten liturgischen und familiären Festtagsroutinen zu flüchten, bleiben uns in diesem Jahr vorenthalten. Und selbst da, wo man sich das traditionelle Feiern nicht nehmen lässt, bläst stets ein kühler Wind der Angst durch unsere noch so schön geschmückten und gut geheizten Stuben.

Doch wenn wir die Weihnachtsgeschichte ernst nehmen, gibt es keinen Ort, so frostig und unwirtlich er auch sein mag, den Gott nicht als seine Krippe erwählen möchte. Gerade da, wo es dunkel und abweisend ist, wo niemand ihn erwartet und niemand ihn spontan suchen würde, da auch, wo die Kreuze menschlichen Leides alle Hoffnung und Liebe auszulöschen scheinen, da möchte Gott immer wieder neu Mensch werden. Mitten in unserer Zerrissenheit und Leere, mitten in unserer Angst und unserer Ohnmacht möchte er sein Licht aufleuchten lassen und sein göttliches Leben zur Entfaltung bringen.

Das ist das Geheimnis von Gottes bedingungsloser Liebe, die uns im Kind in der Krippe begegnet und im Kreuz seine Vollendung finden wird. Unsere Wohnung ist nie wirklich gut genug bereitet, um ihn zu empfangen. Das muss sie aber auch nicht sein. Denn am Anfang unseres Glaubens steht nicht das Tun sondern das Empfangen, nicht unsere Leistung sondern allein Gottes Initiative. Je mehr wir uns dessen bewusst sind, je mehr wir unsere oft schmerzhafte Menschlichkeit und Armut erfahren und zulassen, desto mehr sind wir bereit, uns von Gottes Menschlichkeit berühren und annehmen zu lassen. Und da, wo Jesus einzieht, da wo Gottes Liebeserklärung an unsere Welt Gestalt annimmt, da verwandelt sich die Kälte in Wärme, das Dunkel in Licht. Da werden unsere Herzen aus Stein zu Herzen aus Fleisch. Da geschieht heute Weihnachten.

2 Kommentare zu „Weihnachten – Licht in kalten Ställen

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