Epiphanie – suchen, aufbrechen und staunen

Hochfest der Erscheinung des Herrn (Mt 2,1-12)

An Epiphanie, dem Fest der Erscheinung des Herrn, sind die Hauptakteure im Evangelium nicht etwa gläubige Juden, die auf die Erfüllung der messianischen Verheissung warten, sondern Fremde, Heiden, Sterndeuter aus dem Osten. Sie verkörpern die ganze Menschheit und mit ihr eine Sehnsucht, die über die Vorstellungen einzelner Religionen hinausgeht: Die Sehnsucht nach Glück, nach Heil und nach einer lebendigen Beziehung zum Ursprung und Ziel der Welt und des Lebens. Und auf diese Sehnsucht des Menschen antwortet Gott in Jesus Christus, dem lebendigen Ausdruck seiner Sehnsucht nach Begegnung mit uns. Dabei drängt er uns seine Antwort nicht auf. Das Licht, das alle Völker erhellen möchte, kommt still und unspektakulär in die Welt. Und die Geschichte der Sterndeuter erzählt uns von drei wesentlichen Voraussetzungen, um dieses Licht zu erkennen:

Suchen und Ausschau halten: Die Sehnsucht nach dem Anderen, nach Gott, ist die Grundbedingung für die Erkenntnis Gottes. Die Sterndeuter sind suchend. Sie beobachten das Seiende und erkennen die Veränderung. Und sie sind in der Lage, im Neuen das Zeichen der Gegenwart Gottes wahrzunehmen. Für Ignatius von Loyola ist die Sehnsucht der Motor jedes geistlichen Lebens. Das zeigt sich auch in der Frage Jesu an die ersten Jünger: Was sucht ihr? Nur wenn ich weiss, was ich suche, erschliessen sich mir auch die Zeichen und Hinweise auf das Gesuchte.

Aufbrechen: Herodes und die Schriftgelehrten wissen zwar, wo der Messias geboren werden soll, aber keiner macht sich auf den Weg, um nachzuschauen. Doch da wo die Sehnsucht klar wird und eine Ausrichtung bekommt, setzt es Menschen in Bewegung. Die Sterndeuter machen sich auf den Weg und packen wertvolle Geschenke ein. Die alte Komfortzone wird aufgebrochen und auf das verheissene Ziel hin hinter sich gelassen. Die Verheissung auf eine Erfüllung der Sehnsucht gibt Mut, innere und äussere Grenzen zu überschreiten und sich auf das Unbekannte einzulassen.

Staunen und sich überraschen lassen: Die Sterndeuter suchen den König der Juden, und sie finden ein kleines Kind in einer Krippe. Was hatten sie sich vorgestellt? Die Geschenke von Gold, Weihrauch und Myrrhe scheinen jedenfalls etwas deplatziert. Und doch kommen sie keinen Moment ins Zweifeln und bringen voll Freude ihre Gaben dar. Sie können ihre eigenen Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen loslassen und sich ganz auf die überraschende Wirklichkeit einlassen, die ihnen begegnet.

Diese drei Dimensionen sind Voraussetzungen für all unsere Beziehungen, speziell aber für unsere Beziehung zu Gott. Sie sind eine Einladung an unsere Freiheit. Wahre Beziehung drängt sich nicht auf. Sie will nicht überwältigen sondern sucht die freie Antwort des Menschen. Gott selber hat diese Sehnsucht nach uns und macht sich auf, uns zu begegnen, indem er in Jesus von Nazareth Mensch wird. In ihm die Erfüllung unserer Sehnsucht zu suchen und zu finden, uns zu ihm und mit ihm auf den Weg zu machen und uns immer wieder neu von ihm überraschen zu lassen, das ist die Einladung an uns und alle Menschen.

Bilder: Krippe in der Jesuitenkirche Luzern 2020/21; Maria, Josef und Kind von Albert Schilling (1904-1987); Heilige Drei Könige von Sr. Caritas Müller OP, Cazis

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