Auf ihn sollt ihr hören – trotz allem!

Impuls zum 2. Fastensonntag (B)
Gen 22,1-18 / Mk 9,2-10

Was hat das Opfer Abrahams mit der Verklärung Jesu zu tun ausser, dass beide Szenen einen Berg zum Schauplatz haben, einen bevorzugten biblischen Ort für wichtige Gottesbegegnungen? Und was können diese Geschichten für uns bedeuten angesichts der Herausforderungen unserer Zeit?

Abraham hatte ursprünglich von Gott eine Sendung und Verheissung bekommen: mit seinem ganzen Hab und Gut aufzubrechen in ein neues, unbekanntes Land, wo er zu einem grossen Volk werden würde mit „Nachkommen zahlreich wie der Staub auf der Erde (Gen 13,16). Doch lange Zeit blieb ungewiss, wie sich diese Verheissung erfüllen sollte, da er und sein Frau Sara schon ziemlich alt waren und keine Nachkommen hatten. Erst mit der wundersamen Geburt Isaacs wurde das Ganze plötzlich realistisch. Doch ausgerechnet diesen ersten und bisher einzigen Stammhalter sollte Abraham nun Gott hingeben. Damit war er nicht nur herausgefordert, seinen Sohn loszulassen, sondern auch seine eigene Vorstellung davon, wie sich Gottes Verheissung erfüllen sollte.

Vor einer ähnlichen Herausforderung finden sich die Jünger Jesu wieder, als dieser beginnt, ihnen von seinem kommenden Tod zu erzählen. Dreimal nimmt Jesus im Markusevangelium einen Anlauf, und dreimal hören ihm die Jünger nicht zu, weil das Gehörte ganz einfach nicht zu ihren Vorstellungen vom Messias und Retter passt. Dabei bekommen Petrus, Jakobus und Johannes bereits nach dem ersten Mal in der mystischen Erfahrung der Verklärten Jesus zu hören: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“. Doch diesen einzigartigen und prägenden Moment können sie weder festhalten, noch hilft er ihnen beim unmittelbaren Verständnis von dem, was als nächstes kommt. Auch sie stehen fassungslos vor dem Kreuz und müssen erleben, wie all ihre eigenen Vorstellungen, Hoffnungen und Träume, die sie mit Jesus verbunden haben, brutal zerstört werden. Wer kann und will da schon noch wirklich „auf ihn hören“ und an die Verheissungen Gottes glauben?

Diese Frage stellt sich auch heute für viele Menschen. Die Zukunft der Welt ist ungewisser denn je und die Entwicklung unserer Kirchen und der konkreten Gemeinden vor Ort ist alles andere als vielversprechend. Vieles an Sicherheiten, Gewohntem und Liebgewonnenem muss allmählich losgelassen werden. Und nicht nur die eigenen Vorstellungen vom morgen sondern überhaupt die Möglichkeit, sich eine Vorstellung davon zu machen, erweisen sich als begrenzt.

Vielleicht können uns gerade in dieser Situation das Beispiel von Abraham und die Erfahrung der Jünger eine Hilfe sein. Es gehört zur Erfahrung des Menschseins, dass wir Gott und die Welt nicht immer verstehen. Aber wir sind eingeladen, nicht nur den unmittelbaren Moment zu sehen, sondern den Blick offen zu halten für die ganze Geschichte. Jeder Moment des Lebens hat ein Vorher und ein Nachher. So können wir uns fragen, was denn unsere Verklärungsmomente waren, die unseren Glauben begründen. Was für ganz persönliche Erfahrungen durfte ich machen mit Gott? Erfahrungen, die wichtig waren, berührend, erstaunlich und irgendwie ausserordentlich. Erfahrungen aber auch, die ich nicht festhalten konnte und die immer wieder drohen, in Vergessenheit zu geraten, vor allem in Momenten, die diesen Erfahrungen so ganz zu widersprechen scheinen. Bitten wir in dieser Zeit um die Gnade, aus unseren eigenen Erfahrungen Kraft zu schöpfen, um die Fragen und Herausforderungen der Gegenwart vertrauensvoll auszuhalten und uns im Glauben an den Auferstandenen ganz auf das Kommende einzulassen.

5 Kommentare zu „Auf ihn sollt ihr hören – trotz allem!

  1. Das ist ein gutes, tröstendes Wort in meinen „unmittelbaren Moment“ an diesem Morgen.
    Ach, könnte man schwierige Momente doch einfach beiseite schieben wie einen schweren Vorhang und den Blick weiten…
    Ich sollte das heute ganz bewusst tun. Danke für deinen Input
    Liebe Grüsse aus dem Osten
    Brig

    Gefällt 1 Person

  2. …auch mit ein wenig Verspätung ist der Text lesenswert – vor Allem der Umgang mit Ungewissheit hat (leider) nicht an seiner Aktualität eingebüsst.-
    Apropo – hast du mal Beat an einem eigenen Podcast gedacht? oder gibt es sogar schon?
    liebe Grüsse

    Gefällt 1 Person

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