Die Trinität – oben, unten und überall

Dreifaltigkeitssonntag (B, Dtn 4, 32–34.39–40, Röm 8, 14–17, Mt 28, 16–20)

Warum brauchen wir eigentlich die Trinität, dieses Konzept der Dreifaltigkeit, das keiner so richtig begreifen, geschweige denn erklären kann? Die Frage ist umso berechtigter, als die Trinität selber in der Bibel nicht vorkommt. Müssen wir am Ende nicht sogar den Kritikern des Christentums Recht geben, die uns vorwerfen, wir seien wieder in ein archaisches Modell der Vielgötterei zurückgefallen? Wenn aber das Konzept der Dreifaltigkeit tatsächlich ein Fortschritt ist, was ist dann der Mehrwert gegenüber einem „gewöhnlichen“ Monotheismus.

Die Erkenntnis, dass es nur einen Gott gibt, war unbestritten ein wichtiger Schritt in der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Dabei haben sich zwei Strömungen getroffen: Die Erfahrung des jüdischen Volkes mit einem Gott, der den Menschen auf Erden schuf, der mit donnernder Stimme aus dem Feuer sprach und sein Volk aus Ägypten befreite (Dtn 4). Und daneben der Gott der Philosophen, der sich allmählich im hellenistischen Denken etablierte: die eine, reine Wahrheit, das Absolute, der ewige, unveränderliche, unberührbare Eine. Beide Strömungen prägten die Art und Weise, wie die ersten Christen versuchten, die Erfahrungen mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist zu verstehen.

Wenn ich Gott vor allem als den Einen, Ewigen und Unveränderlichen denke, habe ich Mühe, das Offenbarungsgeschehen, von dem die biblischen Schriften sprechen, zu verstehen. Der Mensch kann sich zwar schrittweise zur Schau der göttlichen Wahrheit hocharbeiten, aber ein Herabkommen Gottes zum Menschen erscheint undenkbar.

Demgegenüber betont schon das Buch Deuteronomium: „Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst“. Diese Erfahrung, dass Gott nicht nur irgendwo im Himmel seiner Schöpfung gegenübersteht, sondern sich zutiefst mit ihr verbindet, findet ihre Bestätigung in Jesus Christus. In ihm wird Gott selber Mensch. In Jesus Christus macht sich der Ewige, Unwandelbare zum irdischen, historischen Ereignis. In ihm wird der Ferne, Unberührbare zum Nahen und Berührbaren. Ja er berührt selber und heilt dadurch unsere Wunden. Und indem er unsere Ohnmacht und Gewalt auf sich nimmt und sich von uns verspotten, geisseln und kreuzigen lässt, ohne seinen strafenden Zorn auf die Menschheit hereinbrechen zu lassen, zeigt er uns vor allem eines: seine Liebe.

Um diese bedingungslose Liebe auszudrücken, in der wir nicht einfach nur eine Eigenschaft Gottes zu erkennen glauben, sondern sein wahres Wesen, reichen die begrifflichen Kategorien der Einheit, des Unwandelbaren und Absoluten nicht aus. Die Liebe bezeichnet ein Beziehungsgeschehen, ein dynamisches Zueinander eines Liebenden und eines Geliebten, verbunden und geeint durch das Band der Liebe. Und dieses dynamische Dreieck der Liebe in Gott erkennen wir Christen im biblischen Zeugnis vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist.

Darum ist das Bekenntnis zum dreieinen Gott alles andere als eine überflüssige intellektuelle Spielerei. Ganz im Gegenteil, gerade im Bild der Trinität kommt das wahre Wesen des Gottes zum Ausdruck, an den wir glauben. Natürlich ist er auch der Eine, die Ewige, der Allmächtige und die Unwandelbare. Aber für uns Menschen, die wir nach dem Sinn des Lebens suchen und uns mit den Nöten und Sorgen unseres Alltags quälen, will Gott vor allem eines sein: ein liebender Vater und eine liebende Mutter, ein Du, ein lebendiges Gegenüber, von dem ich mich berühren lassen darf und den ich berühren darf, nicht nur mit meiner Zärtlichkeit, nein, auch mit meiner Angst, mit meiner Ohnmacht und selbst mit meiner Gewalt.

In dieser liebenden Offenheit Gottes, die sich im Zusammenspiel des Vaters mit dem Sohn durch den Heiligen Geist ausdrückt, liegt der Mehrwert des trinitarischen Gottesbildes. Und wenn uns Jesus aufruft, zu allen Völkern zu gehen und im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, geht es vor allem darum, allen Menschen von dem zu erzählen, was wir selber erfahren durften: der Liebe Gott für alle Menschen, auch für die, die ihn nicht kennen und selbst für die, die ihn nicht kennen wollen.

3 Kommentare zu „Die Trinität – oben, unten und überall

  1. Ich stimme dem allen zu. Eine wertvolle und wichtige Verdeutlichung. Dennoch bleibt mir dieses Dogma unverständlich und fremd.- Ganz schlicht habe ich schon vor vielen Jahren kluge Christen, Lehrer und Dozenten, gefragt: Werden mir im Himmel eine Person oder zwei oder drei begegnen? Niemand wusste eine Antwort.- Und wenn ich die Evangelien lese, finde ich den trinitarischen Ansatz in erster Linie bei Johannes. Jesus hat sich als Sohn Gottes immer wieder „unter“ Gott gestellt. „Einer“ ist gut … – Wann das Ende ist, weiß nicht einmal der Sohn, sondern nur Der Vater.- Die Zusammengehörigkeit, die bei der Taufformel (Mt 28) zum Ausdruck kommt, reicht für mich nicht, um das trinitarische Dogma zu begründen.- Beste Grüße Helmut Schwarze

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    1. Danke, lieber Helmut. Die eigentliche Frage hinter der Trinitätsproblematik ist die nach der Identität von Jesus Christus. Ist er wirklich Gottes Sohn und somit wesensgleich mit dem Vater (ganz Gott und ganz Mensch), wie es das Christentum seit dem Konzil von Nicäa (325) festgestellt hat, oder ist er eben doch irgendwie „unter“ Gott gestellt, irgendetwas zwischen einem Sondergeschöpf oder einem besonders begabten Menschen, wie es die sogenannten Arianer geglaubt haben… und wie es effektiv wohl auch heute ein grosser Teil der Christen glaubt… ohne zu wissen, dass das eigentlich eine Häresie ist ;-).
      Das Dogma der Trinität bringt vor allem eines zum Ausdruck: dass wir mit unserer Sprache und unseren Konzepten (was heisst zum Beispiel „Himmel“ in Deiner Frage?) das Geheimnis Gottes nie wirklich erfassen können. Und doch gilt hier – was Karl Rahner SJ einmal sinngemässt gesagt hat – dass wir vor dem absoluten Geheimnis nur hilflos stammeln können und doch nicht schweigen dürfen.
      Liebe Grüsse aus der Schweiz

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